Montag, 23. Juli 2012

Turkmenistan Einreise

Wir verlassen den Iran über eine schmale und gut bewachte Brücke nach Turkmenistan. Ungefähr 1,5 km fahren wir an einem hohen Stacheldrahtzaun entlang bis wir an einem kleinen Platz stehen. Er ist ganz und gar nicht modern wie die iranische Seite, dafür von großen kantigen Soldaten bewacht. Diese weisen uns gleich einen Parkplatz vor einem kleinen leicht verfallenen Gebäude zu. Obwohl sie türkisch verstehen und Mustafa versucht freundlich sie zu Grüßen, erhalten wir nur eiskalte Blicke zurück.
Wir begleiten die Soldaten in das kleine Gebäude, wo wir mit ein paar LKW Fahrern warten müssen. Irgendwie herrscht gedrückte Stimmung. Jeder hat wohl Angst, dass er durch eine unachtsame Bemerkung seine ungehinderte Einreise gefährden könnte.
Schnell spricht sich herum, dass Touristen mit einem Auto hier sind. Schon kommt ein Herr mit weißem Dr. Mantel und bittet uns als einzige in ein super kleines Zimmer. Außen an der Tür steht: „Quarantäne“. Ohhhje denken wir nur, aber die Sorge war umsonst. Der Herr schaut nur kurz unsere Pässe an und meint jetzt sollen wir die Zollgebühren in einem anderen Gebäude entrichten.
Die jungen Soldaten sind überfordert und haben keine Ahnung was jetzt geschehen soll. Einer meint nur auf Türkisch, dass wir ja gar kein gültiges Visum haben. Was, wieee!? Er zeigt auf die Eintragung für die Visagültigkeit. 7.7. – 14.7.2012. Und? Er meint, dass aber der 14.7. schon vorbei ist. Ok, es ist sehr heiß und den ganzen Tag in voller Kampfuniform hinterlässt halt seine Spuren. Das bekommen wir schnell geklärt, heute ist der 10.7.12. Im Nebenraum entdecken wir unsere Reisebegleitung für Turkmenistan, Natascha.
Gemeinsam laufen wir die verschiedenen Minibüros ab. Leider darf man nicht fotografieren oder gar filmen. Man kann es kaum beschreiben. Es sitzen immer ca. 4-6 Männer in einem kahlen Raum von ca. 6 m². Der Erste nimmt was auf, überlegt und berechnet es mehrmals, fragt und tut. Er berechnet genau die Kilometer unserer Route durch Turkmenistan. Mal händisch dann mit Taschenrechner etc. Dann berechnet er die Kosten für unseren Pickup. Er schaut ihn kurz an und meint, die Berechnungstabelle können wir vergessen, er stuft ihn als Minibus bis 10 Tonnen ein. Widerspruch zwecklos. Dann gibt er die Dokumente dem Nächsten. Dieser trägt alles wieder in ein großes Buch ein und natürlich kontrolliert er was der Erste gemacht und gerechnet hat. Der Beamte, der das Carnet abstempelt, gibt sich ganz cool und haut aber den Einreisestempel bei Ausreise rein. Mustafas Bemühungen und Erklärungen helfen nichts. Er ist der Polizist, er weiß was er tut und der Stempel gehört dahin. Wenn das mal bei der Ausreise keine Probleme gibt.

Nach ca. 3 Stunde in der Hitze haben wir den Papierkram geschafft. Jetzt heißt es zum Zoll, = die Soldaten. Mustafa muss in ein mini Häuschen bei einer Grube. Im Haus liegen große muskulöse Soldaten auf Betten, lesen was und hören Radio. Die prüfe alle Dokumente und meinen freundlich, dass Mustafa im Auto warte soll bis er aufgerufen wird. Nur wenige Minuten später fährt Mustafa mit Pemujo Richtung Grube, jedoch muss er nicht drauf. Die Soldaten sind auf einmal super freundlich. Schauen mal kurz ins Fahrerhaus, stellen ein paar Fragen und dann wollen sie natürlich die Kabine sehen. Selbstverständlich, aber nur wenn die Springerstiefel ausgezogen werden, schließlich ist das ja unser Haus. Ohne Murren ziehen 1,2,3,… 8 Soldaten ihre polierten Stiefel draußen aus und kommen herein. Sie sind begeistert und wollen alles sehen, aber nur aus Neugierde. Noch schnell ein kleines Westandenken, Mustafas gebrauchter Deoroller, und wir haben alle Stempel.

Jetzt laden wir um und versuchen für Natascha neben Jonas Platz zu machen. Wir haben extra einen Notsitz hinten eingebaut gelassen. Aber wie man auf den Fotos evtl. sehen kann, haben wir nur einen „Eineinhalbkabiner“ Pickup und Natascha ist etwas großgewachsen. Die Arme zwängt sich ohne Murren zu Jonas hinein, und los geht`s.
Natascha macht es sich hinten bequem.
Wir sind schon spät dran und wollen noch ins 167 km entfernte Mary fahren. Normal kein Problem. Was wir vorher nicht wussten ist der miserable Straßenzustand. Wow, fast die komplette Strecke besteht nur aus Schlaglöchern. Mustafa ist die nächsten 6 Stunden hochkonzentriert und fixiert, wie hypnotisiert, immer die nächsten Meter auf dem Asphalt. Wir denken ständig, dass uns gleich etwas am Fahrwerk bricht. Diese Sorge haben aber die einheimischen Fahrer anscheinend nicht. Mit einem Affenzahn fliegen sie förmlich über die Straße. Natascha meint, dass ihr Taxifahrer heute Morgen mit einem 5er BMW über 140 km/h auf dieser Piste gefahren ist. Kein Wunder, dass immer wieder ein Auto mit Platten oder gebrochenen Federn am Straßenrand steht.

Als wir ankommen sind wir total kaputt und beschließen das historische Merv erst am nächsten Tag zu besichtigen. Wir stellen fest, dass unser zweit Geldbeutel verschwunden ist. Darin waren doch etliche Devisen und vor allem Glücksbringer von Petra und Jonas. Sehr schade, jetzt müssen die anderen Schutzengel etc. doppelt so gut auf uns aufpassen. Wir denken, dass wir ihn im Grenzchaos liegen lassen haben. Was anderes können wir uns fast nicht vorstellen. Gerade zum Trotz stoßen wir mit leckerem russischen Bier im Hotel an und freuen uns auf die nächsten Tage.

Warum Reiseleiter?
Die Einreisebestimmungen für Turkmenistan sind etwas schwierig. Man benötigt eine Einladung aus dem Land, muss genau die Route angeben und man benötigt einen örtlichen Reiseleiter. Das alles haben wir in Deutschland über ein Reisebüro in Berlin organisiert. Herr Hasse von Haase Touristik kennt sich in der Region gut aus und hat die erforderlichen Kontakte in die Länder um alles zu organisieren. Das Wort Kontrolle steht bei der Regierung weit oben. Deshalb muss man sich öfters zwischen den Orten und jeweils im Hotel registrieren.
So kam es, dass Natascha, die im Übrigen sehr gut deutsch spricht, uns durch Turkmenistan begleitet.

1 Kommentar:

  1. sehr spannend! like very much ;) erstaunlich welche grenzübertrittvarianten es gibt - aber irgendwie funktioneiren sie dann letzlich alle ....

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Danke für deine Nachricht.
Liebe Grüsse, die Özis