Samstag, 25. August 2012

wir zockeln nach Bishkek


Wir genießen die Fahrt durch die liebliche Landschaft. Die gut ausgebaute Straße führt uns immer weiter in die Höhe. Auf den weiten Weidelandschaften, den sogenannte Jailoos, haben Nomaden Familien ihr Sommerquartier aufgeschlagen.





Bei diesem Nomaden ruhen wir uns kurz aus.
Pferde laufen frei herum, am Straßenrand verkaufen die Kinder Honig, Kumys oder Früchte.
Das Mädchen verkauft frischen Kumys auf über 3.000 m.
Wir müssen zwei Pässe mit über 3.100 m überwinden. Beim steilen Anstieg zum zweiten Pass über Haarnadelkurven fällt auf einmal die Leistung des Nissan ab.



Dieser Pass wird und fast zum Verhängnis. Der Motor hat keine Kraft mehr.
Der Motor will einfach nicht mehr über 2.000 U/min drehen. So zockeln wir langsam mit besorgter Miene den Pass hinauf. Dort erwartet uns ein Tunnel. Er sieht aus, als wenn man ihn mit Hammer und Meißel in das harte Gestein händisch getrieben hätte. Deshalb ist die Fahrbahn vielleicht auch so schmal.
Eine Ampel regelt den Verkehr, mal darf man runter mal darf man hoch zum Pass fahren. Als wir im dunklen und unbelüfteten Tunnel zusammen mit dicken LKWs runter fahren, kommen uns immer wieder Fahrzeuge entgegen, die schlichtweg die Ampel ignoriert haben. So bleiben natürlich Staus nicht aus. Langsam zirkeln wir uns an den entgegenkommenden Falschfahrern vorbei.

Was hat der Nissan nur???
Unser Auto wird immer langsamer, er will einfach nicht mehr beschleunigen, obwohl es bergab geht. Wir reinigen den Luftfilter und füllen ein Dieselzusatzmittel in den Tank. Wir hoffen, dass der Motor so wieder mehr Power bekommt. Anfangs haben wir das Gefühl, dass es besser wird, jedoch hält die Freude nur kurz an.
Es sind noch 100 km bis Bishkek zu bewältigen.





Manchmal blockieren andere Pferdestärken die Strasse.
Der Verkehr nimmt immer weiter zu und die rasenden Jeeps und SUVs leider auch. Vor allem die vielen Ampeln in Bishkek machen uns zu schaffen. Die Ampeln haben einen Countdown der anzeigt wie lange noch die jeweilige Phase läuft. Die Kirgisen haben die Angewohnheit bereits bei Rot und 4 Sekunden mal auf die Kreuzung zu fahren. Aber nicht, dass ihr glaubt, dass die Anderen bei Grün und 4 Sekunden stehen bleiben. So entsteht natürlich Stress auf der Kreuzung.



Der Kirgise in seinem dicken Auto ist stets auf einem Rennen. Darum hat er überhaupt kein Verständnis, wenn ein Tourist nur schneckenlangsam bei Rot und 0 Sekunden loszockelt. Dann wird einfach in der zweiten und dritten Reihe links und rechts überholt.

Ein Polizist hält uns direkt vor dem „weißen Haus“, dem Regierungsgebäude auf und möchte die Fahrzugpapiere sehen. Dafür haben wir jetzt gar keinen Nerv. Wir blöken ihn nur an, sagen ihm dass wir große Motorprobleme haben und er uns bitte sagen soll ob wir hier auf dem richtigen Weg zum Nissan Center sind. Er schaut ganz verdutzt aber sein Kollege hat gleich ein Einsehen und zeigt uns den Weg zur Werkstatt.

Im Hintergrund (Süden) kann man gut die hohen Berge erkennen.
 
 
Tradition trifft auf Moderne. Beides im Einklang, so scheint es zu mindest!
Glücklich kommen wir in der Werkstatt an. Ein erster Test mit einem Diagnosegerät zeigt, dass der Motor und die Elektronik ok sind. Der schlechte Diesel und der Dieselfilter scheinen das Problem zu sein. Heute ist Freitag, so bittet uns Sergej der Werkstattinhaber am Montag erneut, aber ohne Kabine, zu kommen dann wird alles schnellst möglich gemacht.
So einen langen Aufenthalt hatten wir eigentlich in Bishkek nicht geplant, aber Hauptsache der Nissan läuft wieder. Wir suchen uns ein Hotel im Reiseführer aus und hoffen, dass wir dort campieren dürfen.
Jonas sucht sich schon mal sein eigenes SUV aus und dreht eine Runde.
Das schöne Hotel ist perfekt für uns.

Als wir das ausgesuchte Hotel endlich in einem etwas düsteren Viertel finden, sind wir gleich begeistert. Die Dame an der Rezeption begrüßt uns freundlich und zeigt uns gleich einen sicheren Stellplatz direkt auf dem kleinen Innenhof. Ein zweites Fahrzeug hätte kaum Platz. Für 10$ die Nacht dürfen wir hier stehen, bekommen Strom und Wasser, heiße Dusche und Toilette und das Beste, einen traumhaften Pool. Es ist eine richtige Oase, besser hätten wir es nicht treffen können.
 
Juchu, Platschen macht Spaß.

 
 
Zwischendurch wird dann gespielt, oder...
 
... einfach nur geruht.
 
Am Abend ist dann auch unser Energiebündel müde.
Wir putzen die Kabine und den Nissan, bereiten alles für die Demontage der Kabine vor, erkunden die Stadt und genießen den kalten Pool. Jonas hüpft jeden Tag ins Wasser und hat richtig Spaß im sehr gepflegten Garten. Wir lernen im Hotel auch nette Reisenden kennne. Wie zum Beispiel der pensionierte Gottlieb, der mit dem Fahrrad Kirgistan erkunden möchte. Er hat bereits viele Reisen und Fahrradtouren in der Welt unternommen. Jonas freundet sich gleich mit ihm an und macht viel Quatsch mit ihm.
Jonas möchte am liebsten sein Bike auspacken und mit Gottlieb mitfahren.

Am Montag bringen wir nur den Nissan in die Werkstatt, die Kabine bleibt beim Hotel.

Der Nissan ist in der Werkstatt und Jonas überprüft die Kabine.
 
 
Zum Reinigen der Dieseltanks
musste die ganze Pritsche zerlegt werden.
Als ich gegen Mittag wieder bei der Werkstatt vorbei schaue, kommen wir schon Sergej und sein Meister mit verzerrter Mine entgegen. Sie zeigen mir den Diesel aus dem Filter. Er ist pechschwarz und es schwimmen irgendwelche Teilchen drin herum. Ich beschließe kurzerhand den kompletten Motor und die Dieseltanks hier reinigen zu lassen. Natürlich dauert das seine Zeit. So vereinbaren wir, dass ich am Dienstagvormittag vorbei komme.





Aber ich will den Nissan nicht allein lassen und auch schauen was die Jungs da machen. Am späten Nachmittag schaue ich mir die ausgebauten Tanks (haben einen 70l Zusatztank) an. In der Tat, sie schauen innen drin schrecklich aus. Ich sehe einen dicken schwarzen Schleim und feste Ablagerungen in den Tanks. Wir sind froh, dass wir alles reinigen lassen.

Am Dienstag gehen wir alle gemeinsam zur Werkstatt und möchten unser Auto abholen. Wir fahren zum Hotel und merken, dass das Zockeln weg ist, aber der Motor keine Leistung hat. Nur mit Mühe kommen wir die steile Hoteleinfahrt hoch. Also wieder zurück zu Nissan. Es wird eine elektronische Einstellung an der Dieselpumpe vorgenommen. Jetzt bitten sie uns eine längere Probefahrt zu machen.

Wir sind ohne unser Schneckenhaus unterwegs.
Wir fahren in das 40 km entfernte Naturschutzgebiet Ala Archa, natürlich noch ohne Kabine. Das Auto fährt super, wir düsen den Berg nur so hinauf. Auf 2.100 m fängt es plötzlich zu regnen an. In Bishkek hatten wir noch 35 °C, jetzt eisige 16 °C. Wir natürlich nur mit T-shirt und barfuß in Latschen. Wir müssen selbst über uns lachen. In der Kabine hätten wir die beste Ausrüstung, aber kaum sind wir ohne Schneckenhaus unterwegs, sind wir aufgeschmissen.

Es regnet und wir frieren bei unserer kleinen Wanderung.
Uns kommen bepackte Bergsteiger mit Alpinerkleidung entgegen. Die werden sich auch ihren Teil gedacht haben ;-)
 
Wir sind begeistert von den Jungs im Nissan Centre. Der Preis war auch sehr fair und angemessen.



Wir sind mit dem Motor sehr zufrieden. Wie sich später noch herausstellt, sinkt der Verbrauch um bis zu 2,0l / 100 km. Wow, so wenig hat der Nissan noch nie gebraucht. Am Mittwoch fahren wir weiter Richtung Nordosten, zum Issy Kul See.

Kommentare:

  1. Na, da seid ihr ja mit einem blauen Auge davon gekommen. Da haben wohl einige Tankstellen ihren Diesel mit allerhand unguten Streckmitteln in die Laenge gezogen auf Kosten der nicht zurueckkehrenden Kundschaft. Betrug bis im hintersten Winkel, es gibt kein entrinnen. Paradiese gibt es nur in der menschlichen Vorstellung, aber nicht auf erden.

    Es gruessen die Leute von der Stadt am Meer.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo liebe Özis,
    da habt ihr ja noch mal Glück gehabt (vlt. war ja auch noch Dreck von der letzten Asienreise von F. + R. drin).
    Ich genieße eure Berichte sehr und bin schon gespannt, wie´s weiter geht.
    Ganz liebe Grüße aus Bayern und weiterhin alles Gute
    Otto

    AntwortenLöschen
  3. Ja, da haben die Jungs von den Tankstellen mächtig was in den Diesel gemischt. Was sollen sie auch tun, wenn es einfach zu wenig Diesel ibt ;-) Otto, du hast wahrscheinlich recht. Das machen die nicht erst seit gestern. Pemujo war ja schon mal in diesen Ländern. LG die Özis

    AntwortenLöschen
  4. Immer wieder schön, von euch zu lesen. Freu mich mit euch, dass ihr eine gute Werkstatt hattet.
    Liebe Grüße, Kathrin

    AntwortenLöschen
  5. Petra'nın doğum gününü Tosun Ailesi olarak kutluyoruz.Nice yıllara Petra.hepinizi öpüyoruz.Selamlar.Ertan-Arzu-İzzetcan-Nazlıcan
    zum Geburtstag Petra :)

    AntwortenLöschen
  6. "Der Starke Sieger" Preisverdächtiges Foto!
    Gruß Jürgen

    AntwortenLöschen

Danke für deine Nachricht.
Liebe Grüsse, die Özis