Freitag, 31. August 2012

Fest oder Zirkus am Song Kul See?


Endlich raus aus Bishkek und weiter Richtung Ostkirgistan. Nicht weit von Bishkek entfernt liegt der Burana Tower, dem wir natürlich einen Besuch abstatten. Dazu müssen wir durch den Marktfleck Toktogul fahren.

Muslimische Gräber werden eigentlich traditionell sehr einfach gehalten und haben keine Wände.
In Kirgistan wird aus Lehm das Grab eingefaßt.
 
Gleich bei der ersten Querstraße werden wir von der Polizei angehalten. Immer das gleiche Spiel. Polizeiauto steht irgendwo am Rand, ein Polizist winkt einen heraus, stellt sich mit Namen vor und möchte die Papiere. Welche ist meist unsere Frage, verdutzt heißt es dann „Maschine Passport“. Wir geben die Fahrzeugpapiere meist zögernd oder gar nicht raus, weil die Polizisten einem Angst machen wollen, wenn sie die Papiere, die sie meist nicht verstehen, in der Hand halten. Dann muss ich mit zum Polizeiauto, wo der Chef drin sitzt. In diesem Fall lautet die Anschuldigung, wir hätten vorhin nicht rechts in diese Straße abbiegen dürfen. Auf meinen dezenten Hinweis, dass just in diesem Augenblick einige PKW aus der gleichen Richtung an uns vorbei fahren, ernte ich ein Kopfschütteln. Ich hätte ein Schild missachtet. Wir haben wirklich keins gesehen. Energisch, aber freundlich weise ich jede Schuld von mir und möchte den Oberchief sprechen. Tatsächlich wird jemand angerufen, der Englisch spricht. Ich erkläre ihm, dass wir nichts falsch gemacht haben und alle anderen hier fahren dürfen. Stelle vorsichtig die Frage, ob es evtl. damit zusammenhängt, weil wir Touristen sind? Daraufhin wünscht man uns eine gute Fahrt. Dies passiert uns leider auch am Rückweg wieder. Dieses mal, wollen wir eine Quittung haben und zücken das Telefon um die Botschaft anzurufen. Freundlich werden wir ohne Strafe verabschiedet. ;-)
 
Kochor die Bäckerin am Markt. Wir kaufen mehrere Fladen von diesem
frischen Brot und essen es noch während der Fahrt auf.
 
 
Burana Tower
Petra und Jonas erklimmen den Turm.
Nur ganz schmale Treppen führen
innen nach oben.
Der Burana Tower steht ziemlich einsam auf einem Feld, im Hintergrund das wunderschöne Bergpanorama.
 
Man hat eine Jurte zu einem Museum umgewandelt und dahinter ist ein größerer Bereich mit vielen Steinfiguren und Köpfen. Dies sind sehr alte Grabsteine aus ganz Kirgistan. Man weiß jedoch nicht, ob damit die Gräber der getöteten Feinde oder siegreichen Krieger geschmückt waren. Burana war einst ein sehr wichtiges Handelszentrum entlang der Seidenstraße zwischen China und dem fruchtbaren Fergana Tal.
 
Am Turm treffen wir eine deutschsprachige Reisegruppe mit Guide. Natürlich werden wir gleich befragt und so entsteht eine nette Unterhaltung. Wir erfahren, dass sie am Samstag, also in drei Tagen, am Song Kul See ein Nomaden Fest besuchen werden. Dies soll sehr interessant sein. Der Guide zeigt uns auf der Karte, wo ungefähr das Fest am See sein soll.

 



Jonas vor einem alten Grabstein. Er ist überzeugt, der hat mal einem großen Kämpfer gehört.
 

Song Kul See auf 3.016 m
Kurzerhand ändern wir unsere Pläne und steuern nach einem kleinen Zwischenstopp am Issy Kul See, den Song Kul See an. Der See ist mit 18 km x 29 km der zweitgrößte See Kirgistans und liegt auf einer Hochebene mit 3.016 m. Die geteerte Straße führt uns durch Kochkor, bis wir dann rechts zum Song Kul abbiegen. Ab jetzt gibt es nur noch Naturpiste.



Diesen Passmußte Pemujo hoch bis auf 3.158 m.


 

Es geht durch ein tolles Tal immer weiter hinauf. Eine sehr steile und schmale Piste führt jetzt die letzten Kilometer hinauf zum 3.158 m hohen Pass.

Die Aussicht ist atemberaubend und wird etwas von unserem Bammel gedrückt. Aber ohne Probleme kommen wir auf der Hochebene an und bald öffnet sich auch der Blick auf diesen herrlichen See.

Die Piste ist steil und steinig aber gut befahrbar. Im Hintergrund der See.
 
Abendstimmung am Song Kul.
Wir sehen kleine weise Punkte um den See verstreut, welche sich später als Jurten herausstellen. Immer wieder kommen uns Schaf- oder Pferdeherden entgegen. Die Hirten kommen zu uns auf einen Plausch.










Der Hirte kommt zu uns auf einen Plausch.
 
Leider hatten wir zu wenig Platz um die nette Dame mit zu nehmen.


Am Nordufer angekommen fragen wir bei der ersten Jurte nach dem Fest. Der Mann meint freundlich, dass es morgen gleich hier am Ufer sein wird und wir gerne bei seiner Jurte campieren können. Hmmm, der Guide der Reisegruppe hatte uns aber das Südufer genannt. Wir bedanken uns artig und teilen ihm mit, dass wir vorher noch das Südufer sehen möchten. Langsam wird es spät und es beginnt zu dämmern. Die Temperatur sinkt sehr schnell.

Eine steinige Naturpiste führt um den See. Alle Nomaden die wir fragen zucken mit den Achseln und sagen, dass es jetzt kein Fest gibt. Toll! Wir fahren trotzdem weiter Richtung Südufer. Ein lustiger Nomade in seinem alten Audi hält an und sagt uns, dass es tatsächlich morgen ein Fest geben wird. Wir sollen einfach weiter fahren. Er komme später nach holt nur noch schnell ´was alkoholisches zum Trinken. Wo, fragen wir uns nur, denn wir haben nur den See, unendlich Landschaft und ein paar Jurten gesehen.
 
 
Es wird dunkel, das Südufer haben wir auch fast ganz geschafft also beschließen wir in der Nähe von ein paar Jurten am Ufer zu campen. Wir finden es inzwischen richtig kalt, so um die 14 °C. Gut angezogen gehe ich mit Jonas eine Runde. Wir treffen Jungs beim Holzmachen. Wir fragen sie nach dem Fest und sie zeigen gleich nickend auf ein paar Jurten nicht weit entfernt. Juhu, wir haben es doch noch gefunden.
 
Das ist ein Stellplatz! Da kommt man mit seinem Nachbarn nicht zum Streiten.


Die Luft ist herrlich klar, die Landschaft unbeschreiblich schön und ein malerischer Sonnenuntergang machen den Tag perfekt.













Das Fest

Am frühen Morgen erkundet Jonas das Lager.
In der Nacht hatte es eisige 8 °C!
Wir fahren sehr früh am Morgen rüber zu den anderen Jurten und möchten beim Aufbau des Festes zuschauen. Als ersten begrüßen uns gleich zwei geschäftstüchtige Damen und verkaufen uns Tickets, welche den Eintritt und ein Mittagessen beinhalten. Wir haben Ticketnummer 2.








Alle sind sehr freundlich, jedoch sehen wir keine großen Festvorbereitungen. Ein Nomade meint zum anderen: „Wir wollten doch um 10 Uhr anfangen, oder?“ Ich grinse und mische mich auf türkisch ein: “stimmt, so steht es zumindest auf dem Programm“ und sie grinsen auch, denn es ist 10.05 Uhr. Immer mehr Touristen kommen, entweder zu Fuß (woher auch immer) oder mit Minibussen bzw. Jeeps. Wir vermissen die einheimischen Zuschauer.



Schöne traditionelle Musik für die Touristen.

Das Fest wird mit einer kurzen Ansprache (eine junge Dame übersetzt ins Englische) eröffnet. Danach geht’s gleich musikalisch weiter. Männer mit Ziehharmonika und traditioneller Gitarre begleiten Damen, die alte Nomadenlieder zum Besten geben.
 
 
 
 
 
Leider besteht das Publikum fast ausschließlich aus Touristen. Das ist also der Grund, warum die anderen Nomaden am Vortag nichts von diesem Fest wussten.

Der starke Sieger.

Irgendwie kommen wir uns wie im Zirkus vor.

Die Nomaden singen, zeigen Kunststücke mit ihren Pferden, traditionelle Wettkämpfe zu Pferd
 
(im vollen Galopp versuchen die Reiter Geldscheine vom Boden aufzuheben, oder zwei Männer treten gegeneinander an um jeweils den Kontrahenten aus seinem Sattel zu werfen

Kok Boru war in der Sowjetzeit verboten. Jetzt darf es auf keinem Fest fehlen.

und am Schluss gibt es noch das bekannte "Kok Boru" Spiel, wo zwei Mannschaften zu Pferd gegeneinander antreten und versuchen ein totes Schaf hinter der Linie des Gegners abzulegen)
und veranstalten sogar ein Tauziehen, wo Touristen gegen Touristen etc. antreten. Da wird es uns dann langsam zu viel des Guten.
 
Zwei "junge" Welten treffen auf einander,
verstehen sih aber blendend.


Wir gehen lieber zu den Jurten zurück, setzen uns ins Gras zu Nomaden und Touristen an die lange Mittagstafel und genießen hier die ausgelassene Stimmung.


Mit gemischten Gefühlen fahren wir noch am Nachmittag wieder zurück zum Issy Kul See. Die Anfahrt über den steilen Pass, der herrliche See mit den hohen Bergen im Hintergrund, die unglaubliche Weite der Landschaft und vor allem die freundlichen Nomaden in ihren Jurten haben uns beeindruckt und begeistert. Jedoch hatten wir bei diesem extra für Touristen inszenierten Fest ein komisches Gefühl, wir kamen uns wie in einem Zirkus vor.


 

Wir hatten gehofft, ein lebendiges Nomadenfest zu besuchen, wo wir nur als geduldete Zaungäste etwas in die fremde Kultur reinschnuppern dürfen. Auf der anderen Seite verdienen die Nomaden auf diese Weise in den wenigen schneefreien Monaten ein wenig dazu und können gezielt ihre Traditionen den Besuchern vermitteln.



Der Abstecher zum Song Kul war auf jeden Fall super und hat sich schon wegen der Natur und den freundlichen Nomaden voll gelohnt.

 
 
 
 

Samstag, 25. August 2012

wir zockeln nach Bishkek


Wir genießen die Fahrt durch die liebliche Landschaft. Die gut ausgebaute Straße führt uns immer weiter in die Höhe. Auf den weiten Weidelandschaften, den sogenannte Jailoos, haben Nomaden Familien ihr Sommerquartier aufgeschlagen.





Bei diesem Nomaden ruhen wir uns kurz aus.
Pferde laufen frei herum, am Straßenrand verkaufen die Kinder Honig, Kumys oder Früchte.
Das Mädchen verkauft frischen Kumys auf über 3.000 m.
Wir müssen zwei Pässe mit über 3.100 m überwinden. Beim steilen Anstieg zum zweiten Pass über Haarnadelkurven fällt auf einmal die Leistung des Nissan ab.



Dieser Pass wird und fast zum Verhängnis. Der Motor hat keine Kraft mehr.
Der Motor will einfach nicht mehr über 2.000 U/min drehen. So zockeln wir langsam mit besorgter Miene den Pass hinauf. Dort erwartet uns ein Tunnel. Er sieht aus, als wenn man ihn mit Hammer und Meißel in das harte Gestein händisch getrieben hätte. Deshalb ist die Fahrbahn vielleicht auch so schmal.
Eine Ampel regelt den Verkehr, mal darf man runter mal darf man hoch zum Pass fahren. Als wir im dunklen und unbelüfteten Tunnel zusammen mit dicken LKWs runter fahren, kommen uns immer wieder Fahrzeuge entgegen, die schlichtweg die Ampel ignoriert haben. So bleiben natürlich Staus nicht aus. Langsam zirkeln wir uns an den entgegenkommenden Falschfahrern vorbei.

Was hat der Nissan nur???
Unser Auto wird immer langsamer, er will einfach nicht mehr beschleunigen, obwohl es bergab geht. Wir reinigen den Luftfilter und füllen ein Dieselzusatzmittel in den Tank. Wir hoffen, dass der Motor so wieder mehr Power bekommt. Anfangs haben wir das Gefühl, dass es besser wird, jedoch hält die Freude nur kurz an.
Es sind noch 100 km bis Bishkek zu bewältigen.





Manchmal blockieren andere Pferdestärken die Strasse.
Der Verkehr nimmt immer weiter zu und die rasenden Jeeps und SUVs leider auch. Vor allem die vielen Ampeln in Bishkek machen uns zu schaffen. Die Ampeln haben einen Countdown der anzeigt wie lange noch die jeweilige Phase läuft. Die Kirgisen haben die Angewohnheit bereits bei Rot und 4 Sekunden mal auf die Kreuzung zu fahren. Aber nicht, dass ihr glaubt, dass die Anderen bei Grün und 4 Sekunden stehen bleiben. So entsteht natürlich Stress auf der Kreuzung.



Der Kirgise in seinem dicken Auto ist stets auf einem Rennen. Darum hat er überhaupt kein Verständnis, wenn ein Tourist nur schneckenlangsam bei Rot und 0 Sekunden loszockelt. Dann wird einfach in der zweiten und dritten Reihe links und rechts überholt.

Ein Polizist hält uns direkt vor dem „weißen Haus“, dem Regierungsgebäude auf und möchte die Fahrzugpapiere sehen. Dafür haben wir jetzt gar keinen Nerv. Wir blöken ihn nur an, sagen ihm dass wir große Motorprobleme haben und er uns bitte sagen soll ob wir hier auf dem richtigen Weg zum Nissan Center sind. Er schaut ganz verdutzt aber sein Kollege hat gleich ein Einsehen und zeigt uns den Weg zur Werkstatt.

Im Hintergrund (Süden) kann man gut die hohen Berge erkennen.
 
 
Tradition trifft auf Moderne. Beides im Einklang, so scheint es zu mindest!
Glücklich kommen wir in der Werkstatt an. Ein erster Test mit einem Diagnosegerät zeigt, dass der Motor und die Elektronik ok sind. Der schlechte Diesel und der Dieselfilter scheinen das Problem zu sein. Heute ist Freitag, so bittet uns Sergej der Werkstattinhaber am Montag erneut, aber ohne Kabine, zu kommen dann wird alles schnellst möglich gemacht.
So einen langen Aufenthalt hatten wir eigentlich in Bishkek nicht geplant, aber Hauptsache der Nissan läuft wieder. Wir suchen uns ein Hotel im Reiseführer aus und hoffen, dass wir dort campieren dürfen.
Jonas sucht sich schon mal sein eigenes SUV aus und dreht eine Runde.
Das schöne Hotel ist perfekt für uns.

Als wir das ausgesuchte Hotel endlich in einem etwas düsteren Viertel finden, sind wir gleich begeistert. Die Dame an der Rezeption begrüßt uns freundlich und zeigt uns gleich einen sicheren Stellplatz direkt auf dem kleinen Innenhof. Ein zweites Fahrzeug hätte kaum Platz. Für 10$ die Nacht dürfen wir hier stehen, bekommen Strom und Wasser, heiße Dusche und Toilette und das Beste, einen traumhaften Pool. Es ist eine richtige Oase, besser hätten wir es nicht treffen können.
 
Juchu, Platschen macht Spaß.

 
 
Zwischendurch wird dann gespielt, oder...
 
... einfach nur geruht.
 
Am Abend ist dann auch unser Energiebündel müde.
Wir putzen die Kabine und den Nissan, bereiten alles für die Demontage der Kabine vor, erkunden die Stadt und genießen den kalten Pool. Jonas hüpft jeden Tag ins Wasser und hat richtig Spaß im sehr gepflegten Garten. Wir lernen im Hotel auch nette Reisenden kennne. Wie zum Beispiel der pensionierte Gottlieb, der mit dem Fahrrad Kirgistan erkunden möchte. Er hat bereits viele Reisen und Fahrradtouren in der Welt unternommen. Jonas freundet sich gleich mit ihm an und macht viel Quatsch mit ihm.
Jonas möchte am liebsten sein Bike auspacken und mit Gottlieb mitfahren.

Am Montag bringen wir nur den Nissan in die Werkstatt, die Kabine bleibt beim Hotel.

Der Nissan ist in der Werkstatt und Jonas überprüft die Kabine.
 
 
Zum Reinigen der Dieseltanks
musste die ganze Pritsche zerlegt werden.
Als ich gegen Mittag wieder bei der Werkstatt vorbei schaue, kommen wir schon Sergej und sein Meister mit verzerrter Mine entgegen. Sie zeigen mir den Diesel aus dem Filter. Er ist pechschwarz und es schwimmen irgendwelche Teilchen drin herum. Ich beschließe kurzerhand den kompletten Motor und die Dieseltanks hier reinigen zu lassen. Natürlich dauert das seine Zeit. So vereinbaren wir, dass ich am Dienstagvormittag vorbei komme.





Aber ich will den Nissan nicht allein lassen und auch schauen was die Jungs da machen. Am späten Nachmittag schaue ich mir die ausgebauten Tanks (haben einen 70l Zusatztank) an. In der Tat, sie schauen innen drin schrecklich aus. Ich sehe einen dicken schwarzen Schleim und feste Ablagerungen in den Tanks. Wir sind froh, dass wir alles reinigen lassen.

Am Dienstag gehen wir alle gemeinsam zur Werkstatt und möchten unser Auto abholen. Wir fahren zum Hotel und merken, dass das Zockeln weg ist, aber der Motor keine Leistung hat. Nur mit Mühe kommen wir die steile Hoteleinfahrt hoch. Also wieder zurück zu Nissan. Es wird eine elektronische Einstellung an der Dieselpumpe vorgenommen. Jetzt bitten sie uns eine längere Probefahrt zu machen.

Wir sind ohne unser Schneckenhaus unterwegs.
Wir fahren in das 40 km entfernte Naturschutzgebiet Ala Archa, natürlich noch ohne Kabine. Das Auto fährt super, wir düsen den Berg nur so hinauf. Auf 2.100 m fängt es plötzlich zu regnen an. In Bishkek hatten wir noch 35 °C, jetzt eisige 16 °C. Wir natürlich nur mit T-shirt und barfuß in Latschen. Wir müssen selbst über uns lachen. In der Kabine hätten wir die beste Ausrüstung, aber kaum sind wir ohne Schneckenhaus unterwegs, sind wir aufgeschmissen.

Es regnet und wir frieren bei unserer kleinen Wanderung.
Uns kommen bepackte Bergsteiger mit Alpinerkleidung entgegen. Die werden sich auch ihren Teil gedacht haben ;-)
 
Wir sind begeistert von den Jungs im Nissan Centre. Der Preis war auch sehr fair und angemessen.



Wir sind mit dem Motor sehr zufrieden. Wie sich später noch herausstellt, sinkt der Verbrauch um bis zu 2,0l / 100 km. Wow, so wenig hat der Nissan noch nie gebraucht. Am Mittwoch fahren wir weiter Richtung Nordosten, zum Issy Kul See.

Donnerstag, 16. August 2012

Unsere Nachbarn, die Nomaden

Auf einer guten Teerstraße fahren wir gemütlich Richtung Norden. Das erste Stück noch parallel zur Usbekischen Grenze. Es ist immer noch grün wie im Fergana Tal, jedoch hat sich einiges nach der Grenze geändert.

Als erstes fallen natürlich die Deutschen Autos auf. Audi, VW, Mercedes und BMW meist nicht die ganz aktuellen Modelle, dafür dürfen die Fahrzeuge auch ruhig a bisserl größer sein. A6, E und S Klasse und unter einem 5er BMW geht nichts. Seit der Türkei haben wir keine Deutschen Autos mehr gesehen. Natürlich kann „Mann“ die vielen Pferde unter der Haube auf so schönen Straßen schwer zähmen und fährt entsprechend flott. Das ist ein ganz neues Gefühl, aber auch eine neue Gefahr.

Die Menschen tragen die berühmten Kirgisischen Mützen, lächeln und grüßen uns freundlich. Wir kommen an größeren Tankstellen der Firma Gazprom vorbei. Zum Spaß halten wir an einer größeren Tankstelle und sind begeistert. Der Tankstellen Shop hat eine größere Auswahl an Artikeln als mancher Usbekische Supermarkt.
Die Landschaft wird langsam hügeliger.

Der Kontrast zwischen den kargen Bergen und den saftigen Feldern ist herrlich.




Wir fahren jetzt am Naryn Fluss entlang. Es geht stetig bergauf und die Straße folgt dem Fußverlauf. Das türkiesblaue Wasser und die grünen Berge sind eine Wohltat nach dem gelb braunen Turkmenistan und Usbekistan. Immer öfter gibt es kleine Restaurants oder Jurten an der Straße oder direkt am Fluss, wo man essen oder gar schlafen kann. Die Temperaturen kühlen sich immer weiter ab, juhu.

Der Nary Fluss wird immer wieder zu Stauseen aufgestaut.
Sind wir in den Alpen, oder was sind das für LKW's?

Auf 1.950 m schlagen wir unser Nachtquartier an einer breiteren Parkbucht auf. Leider haben in der Nacht auch etliche LKW Fahrer die gleiche Idee. So werden wir immer wieder von LKW`s geweckt.


Es geht am nächsten Tag weiter bergauf und immer dem Fluss entlang.

Abendstimmung in den Bergen. Wir sind auf 2.000 m und links und rechts dieser Anblick.

Es war ein bischen steil und eng.
Wir hatten vor allem Sorge, als es immer wieder zu regnen began.
Zufällig entdecken wir eine schöne Stelle am Fluss. Wir fahren einen schmalen und steilen Abhang hinunter und parken direkt am Fluss. Der Platz ist gerademal so groß wie unser Pemujo und liegt so tief,  dass man uns von der Straße aus kaum sehen kann. Vor allem Jonas findet es hier klasse. Spontan beschließen wir hier zwei Nächte zu bleiben.


Jeder hat sein Lager am Fluss aufgestellt.
Die Pferde der Nomaden laufen frei herum. Es gibt keine Zäune.
Es ist einfach ein traumhafter Blick aus dem Pemujo: Berger, Bach und die Pferde.

Wir putzen und reinigen unser Auto von innen und außen und kochen leckere Sachen. Aber vor allem spielen wir im eiskalten Gebirgsbach. Er hat gerademal erfrischende 9 °C.
Endlich strahlt auch unser Pemujo wieder.
Jetzt schnitz ich mir ein Boot, dann einen Stecken zum Grillen.
Wenn mal in 100 Jahren hier einer vorbei kommt, kann er sich überlegen,
warum ich das hier wohl gemacht habe und was es sein soll, hi hi!
Das Wasser ist sauuu kalt, aber wir müssen einen Staudamm bauen.
Ist das anstrengend!

Die Dame bietet uns frischen Kumys an.
Direkt gegenüber von uns haben Nomaden ein kleines Jurten-Camp aufgebaut. Vier Familien leben in vier Jurten. Sie haben Pferde die frei herumlaufen können, Hühner, Hunde und Kühe. Die vielen Kinder rufen gleich herüber und winken. Eine Oma kommt zum Bach und gestikuliert, dass wir doch zu ihnen rüber kommen sollen. Sie zeigt uns eine Flasche mit weißer Flüssigkeit. Wir ahnen, dass es Kumys = fermentierte Stutenmilch ist.




Wir spazieren rüber zu unseren Nachbarn. Jonas vorweg.
An einem Vormittag lösen wir unser Versprechen ein. Ein Stück flussabwärts ist eine große Brücke über den Gebirgsbach und anschließend eine sehr wackelige Konstruktion über einen kleinen Wildbach. Dann finden wir das Nomadenlager. Freudig und aufgeregt werden wir empfangen. Wir gehen zur Jurte der alten Dame. Wir werden gleich zu Kumys eingeladen. Petra und Jonas lehnen freundlich das Getränk ab und ich muss die Familienehre retten. Ich muss sagen, es schmeckt gar nicht schlecht. So eine Art Kefir mit Alkohol. Gell wenn’s schäää macht!
Sie erzählen uns, dass sie aus Togtokul sind und den Sommer hier oben verbringen. Alle sammeln am Vormittag fleißig Waldhimbeeren, die sie dann an lokale Touristen an der Straße verkaufen oder zu Marmelade einkochen. Wir dürfen die frische Marmelade probieren. Ähhh, sagen wir mal so... es ist keine „Du darfst“ Marmelade. Sie war süß wie Honig ;-)





Gruppenfoto mit unseren Nachbarn.

Sie bitten uns sogar Fotos zu machen, was wir natürlich gerne machen. Irgendwie haben wir trotzdem Hemmungen einfach drauflos zu knipsen. Unsere kleinen Präsente kommen gut an.

Zurück im Auto suchen wir nette Fotos aus und drucken sie gleich mit dem kleinen Fotodrucker aus. Am nächsten Tag gehen wir wieder rüber zu den Jurten und übergeben die Fotos. Alle waren super glücklich über diese kleine Geste.
Petra wird von den Damen besonders herzlich begrüßt.
Mustafa kann sich mit den Ältesten auf Türkisch unterhalten, klasse!
Die Oma mit ihren Enkelinen möchte auch auf ein Foto.
Die Jungs zeigen Jonas gleich ihre Jurte. Lieder können die Kinder wegen dem Regen nicht spielen.


Natürlich lässt der Gegenbesuch nicht lange auf sich warten. Ein paar Nomadenkinder besuchen Jonas und wollen auch mal unsere "Jurte" sehen. Die Kinder sind ganz schüchtern und garnicht aufdringlich. Sie erzählen uns, dass sie alle in die Schule in Togtogul gehen, aber jetzt zum Glück ferien haben.

Wir gehen in die Schule...
...und ich geh' in den Kindergarten und komm bald zu den Halbstarken!
Die schüchternen Mädels lassen sich von Petra alles zeigen.
So viele liebe Kinder zum Spielen, müssen wir wirklich schon weiter?
Wir genießen richtig die Tage am Fluss, Erholung pur!