Mittwoch, 26. September 2012

zu Besuch bei Adler-Jäger


Wir haben schon oft Fotos oder Filmbeiträge von den mongolischen Adlerjägern gesehen. Die Besitzer des Blue Wolf engagieren sich in der Region und organisieren das bekannte Adlerfestival in Sagsai, 30 km südlich von Ölgii. Dadurch kennen sie natürlich Adlerjäger Familien.


Wir fragen die Inhaberin wo wir am besten Adlerjäger finden können. Sie sagt uns, dass jetzt noch nicht die Saison dafür ist, denn die Männer gehen mit ihren Adlern erst im Winter auf die Jagd. Sie beschreibt uns Familien in der Steppe um Sagsai. Jedoch glauben wir, dass wir die einsamen Gers in der Steppe nicht finden werden.
Blick auf Sagsai. Die weissen Punkte dahinter sind Ger Lager. Bei einem waren wir.
Deshalb organisieren wir einen russischen UAZ Jeep mit Fahrer, der uns zu einer der Familien bringt. Der Fahrer nimmt noch einen Freund aus Sagsai mit zurück in den Ort. Dieser nette Herr teilt sich mit Jonas und Petra die Rückbank.
Die Drei auf dem Rücksitz sind konzentriert, schließlich ist es eine wilde Fahrt.
Schon die Jeep Fahrt ist für uns Drei ein Abenteuer für sich. Meiner Meinung nach fährt der gemeine Mongole wie er reitet… schnell und wild. Auf der Piste werden wir kräftig durchgeschüttelt und immer wieder öffnet sich die Beifahrertüre durch die harten Schläge. Es ist lustig und macht großen Spaß. Hinter Sagsai fängt der Fahrer an sich durch zu fragen. Wie, wenn es kaum Menschen gibt? Er hält mal ein Moped an was ein Stück von uns entfernt vorbei braust oder Nomaden werden herbei gerufen.
Immer wieder Wasser und Matsch. Geht nur mit 4x4.
Wir fahren durch Bäche, die ganze Gegend ist sumpfig. Es hat ja auch fest geregnet. Der Fahrer erklärt uns, dass es schon lange nicht mehr so viel im Sommer geregnet hat, wie 2012. Wir kommen an einen Fluss, der für den UAZ unüberwindbar ist. Der Fahrer parkt das Auto neben dem Wasser und ruft mit dem Handy jemanden an.


Für die Ziegen gibt es dieses Jahr viel zu fressen.
30 min später sehen wir einen Reiter mit zwei Pferden im Schlepptau auf uns zu reiten. Uns wird gesagt, dass es jetzt per Pferd weiter geht.
Was, mit Pferden da durch?

Und auf geht's. Jetzt bin ich schon fast ein richtiger Mongole.
Jonas darf mit dem jungen Mongolen auf’s Pferd, Petra und ich bekommen ein eigenes Pferd.

Petra ganz lässig und elegant.
Übrigens, meine erste Erfahrung mit Pferden! Auf den Tieren queren wir den reißenden Fluss. Das Wasser reicht den Pferden bis zum Bauch. Die Tiere sind unglaublich gelassen und stark. Sie dulden sogar so einen ungelenkigen Reiter wie mich. Ich hab das Gefühl, dass mein Pferd das langsamste und faulste ist. Egal was ich mach, läuft es ganz gemütlich dahin.
Hallo Pferd, da will ich lang!

Oh, da war ich schon nervös.

Sieht romantisch aus, ist aber ein hartes Leben.
Natürlich komme ich als Letzter beim Ger an. Hier erwarten uns eine ältere Dame und ein älterer Herr mit zwei Söhnen und einer Tochter. Wir werden in das Ger hereingebeten und der Ehrenplatz am Tisch angeboten. Wir sitzen natürlich auf dem Boden und der Ehrenplatz ist direkt gegenüber der Eingangstüre. Es gibt nicht viele Möbel. Wir sehen drei Betten und eine kleine Kommode am Rand aufgestellt. Persönliche Gegenstände der Familie gibt es sehr wenige. In der Mitte steht ein eiserner Holzofen mit dem geheizt und auch gekocht wird. Ein Ofenrohr ragt durch das runde Dach. Die runde Dachöffnung ist auch das heiligste eines Ger. Das Symbol dieser Öffnung, ein Kreis mit zwei parallel verlaufenden Linien die sich Kreuzen, sieht man überall.
Gastfreundschaft wird den Nomaden sehr wichtig.
Wir erfahren, dass die Westmongolei fast ausschließlich von Kasachen bewohnt wird. Bis zur Stadt Altai ist die Gegend kasachisch und moslemisch geprägt. Die mongolischen Kasachen sagen auch von sich, dass sie die echten Kasachen sind, da sie sich dem starken Einfluss der Russen lange entziehen konnten. So kommt es, dass Mongolen im Altai auch etwas türkisch verstehen.

Wir bekommen gesalzenen Milchtee (der nicht jedem Özi schmeckt ;-)), in Öl herausgebackene Teigwaren und kleine Käsestücke gereicht.

Wir bekommen leckere Sachen zum Essen und gesalzenen Tee bis zum Abwinken.
Wir werden zu erst vom Familienoberhaupt ausgefragt. Er reagiert verdutzt, als wir ihm sagen, dass wir nur ein Kind haben. Er habe 10 Kinder, 5 Jungs und 5 Mädels, und die jüngsten drei sind noch bei Ihnen und leben als Nomaden in der Steppe. Er selbst sei inzwischen zu alt geworden um mit dem Adler im Winter in die Berge zu reiten um dort Füchse und andere Pelztiere zu jagen. Der jüngste Sohn hat die Kunst von ihm gelernt und ist jetzt in seine Fußstapfen getreten. Einige Fotos vom älteren Herren mit einem Adler und Medaillen kunden von seiner Kunst.
Er erzählt uns, dass die Adlerjungen in freier Wildbahn gefangen werden um sie dann zu zähmen und das gemeinsame Jagen anzutrainieren. Die Tradition verlangt, dass die Tiere zum Dank nach 7 Jahren, also der Hälfte ihres Lebens, wieder frei gelassen werden. So ein ausgewachsener Adler hat eine Flügelspannweite von bis zu 2,5m.

Uns werden verschiedene Fotoalben mit Bildern der Familie, Hochzeiten oder Jagdfotos aus vergangener Zeit gezeigt.

Und wir zeigen unsere Fotos vom Tag. Skeptische Blicke!
Nebenher kocht die Mutter Mittagessen für uns alle. Schaffleisch mit Zwiebeln angedünstet und Kartoffeln. Die Mongolen würzen ihr essen sehr wenig oder gar nicht. Das Essen kommt bei uns Drei unterschiedlich gut an ;-) Wir sind aber sehr froh, dass wir keine Innereien oder Hammelhoden angeboten bekommen.
Danach holt der Sohn den Adler vor zum Ger und lädt uns ein das Tier näher anzusehen. Der Adler ist groß und schaut ganznervös in alle Richtungen während er auf der Hand des jungen sitzt. Natürlich schützt der Junge seine Hand mit einem dicken Lederhandschuh.

Wow, was für ein schönes Tier.
Jetzt wird Jonas zum Adler gerufen um ihn zu streicheln. Klar, Jonas lässt sich die Chance nicht entgehen.
Ist der weich.
Danach darf Petra den Handschuh anziehen und das Tier auf den Arm nehmen. Der Greifvogel wiegt stolze 15 kg. Da kann man nicht lange Fachsen machen.
15 kg wiegt die Adlerdame.

Von mir aus kann's mit der Jagd los gehen.
Uns macht der Besuch bei den Kasachischen Nomaden sehr großen Spaß. Jonas wird noch einmal zu einer Extrarunde auf dem Pferd eingeladen. Es kommen Nachbarn hinzu, die wahrscheinlich uns Langnasen mal aus der Nähe sehen wollen.

Zurück geht es wieder für mich und Jonas per Pferd. Petra, die richtig reiten kann, wird auf eine Mopedspritztour eingeladen. Jonas soll eigentlich auch auf’s Moped jedoch bevorzugt er das coole reiten.
Kurze Mopedspritztour. Sie wär aber lieber geritten.
Ich, Sancho Pansa, darf wieder zurück „reiten“. Ein anderes Pferd, aber gleiches Problem, bin wieder der Langsamste.
Auch auf dem Rückweg klappt die Flussquerung hervorragend, nur tauchen wir dieses mal tiefer ein, so dass unsere Schuhe und Hosen nass sind.
Der Rückweg war noch aufregender.

Unserer Fahrer gibt auf der Rückfahrt mächtig Gas und lacht dabei. Er meint: „Mongolian Driver fast, Tourist uuuh ahhhh“ und lacht sich schief dabei. Für uns ist es ein Wunder, dass der Jeep in Ölgii nicht einfach auseinander fällt.

Unser cooler Fahrer.

Sonntag, 23. September 2012

Wilde Fahrt nach Ölgii

05.09.2012 Einreise in die Westmongolei und Fahrt nach Ölgii

Es regnet was die Wolken hergeben. Gleich am letzten Schlagbaum der Russen beginnt bereits die Naturpiste. Durch den Regen stehen große Pfützen und der Boden ist leicht rutschig.
Am Anfang sah die Piste noch so aus, danach konnten wir nichts mehr sehen. 

Einreise:
Als erstes müssen wir ein Desinfektionsbecken durchfahren und danach anhalten. Ein Marsmensch in einem Ganzkörperkondom spritz unser Auto mit irgendwelchen Chemikalien ein. Ganz gesund kann das Zeug nicht sein, da seine Hänge ganz gesprungen und ausgebleicht sind. Danach klopft er bei strömendem Regen ans Fenster und möchte 1 U$ für seien Leistung haben. Allein, dass er bei dem Sauwetter draußen stehen muss, hat er das Geld verdient und bekommt es auch.

Wir füllen kurz danach in einem Minihäuschen die Immigrationszettel aus, die leider nur in Kyrillisch ausgelegt sind. Mit Hilfe von drei Zollbeamten gelingt uns das dann auch. Ein paar hundert Meter weiter kommt das richtige Zollgelände. Auch hier geht es eher gemütlich zu. Unsere Papiere werden geprüft und Zettelchen ausgefüllt. Alles ohne Probleme, aber ganz gemütlich. Zwei Zöllnerinnen und ein Zöllner „kontrollieren“ unsere Kabine. Um 13 Uhr geht plötzlich alles ganz schnell, die Stempel werden in die Pässe gehauen und wir werden in die Mongolei mit einem Lächeln willkommen geheißen. Kaum sind wir aus dem Gebäude, werden die Türen abgesperrt und alle Beamten gehen nach Hause. Einer fragt uns ob wir ihn nicht mitnehmen könnten, schließlich regnet es ja wie aus Kübeln. Es ist ihm dann doch zu eng und er huscht durch die Pfützen.

Bei der Ausfahrt aus dem Gelände schreit uns ein älterer Herr nach. Wir halten und ich geh zu ihm in sein Minihäuschen. Im Dach ist ein Loch, am Boden steht eine Schüssel. Im Raum nur ein alter abgenutzter Schreibtisch. Der Wurzelsepp mein, dass wir eine KFZ Versicherung bei ihm abschließen müssen. Er hat schon mal alles vorbereitet. OK, warum nicht. Das ganz soll… ich weiß es nicht mehr, aber wenig… kosten. Er fragt in welcher Währung ich zahlen möchte. Teils auf Türkisch einigen wir uns darauf, dass er alle Kasachischen Tenge + 1 U$ haben kann. Das entspricht zwar nicht ganz seinem Preis aber er will auch in die Mittagspause. ;-)

Wilde Fahrt nach Ölgii:
Wir lernen gleich die Wellblechstraße kennen. Wir fahren ganz langsam und suchen den Weg im starken Regen. Wir beschließen nach Ölgii, der Provinzhauptstadt im äußersten Westen, zu fahren. Nach dem ersten Ort, Tsagaanur, müssen wir unsere Piste richtig suchen. Wir sehen verschiedene Wege parallel verlaufen, manche verlaufen plötzlich in eine ganz andere Richtung. Unser Navi ist auch leicht überfordert, schließlich gibt es ja keine wirkliche Straße. Aber durch das Navi haben wir einen ganz guten Anhaltspunkt in welche Richtung wir fahren müssen. Es Navigiert sogar, nur das wir ständig neben der angezeigten spur fahren. Die Navikarte haben wir aus dem Internet herunter geladen, und funktioniert ganz gut.

Das Wetter wird immer schlimmer. Es sind keine Autos, Jeeps oder LKWs unterwegs. Es fängt an zu schneien und wir sehen die Hand vor unseren Augen nicht mehr. Wir fahren auf einer leicht erhöhten Piste, die wohl die Hauptroute darstellt. Daneben sehen wir immer noch die anderen Spuren. Wir bleiben auf dieser Route, da die anderen vollkommen unter Wasser stehen.
Plötzlich geht es steil bergauf, große Steine und Löcher machen das Fahren sehr schwer und dann… ist ein großer Erdhaufen aufgeschüttet und ein Schild verbietet die Weiterfahrt. Baustelle am steilen Hang. Ein hoher Absatz führt in den Matsch. Wir fahren mit 4x4 auf dem rutschigen Untergrund steil bergauf, es wird immer steiler und rutschiger. Eine Piste quert den Hang. Wir sehen fast nichts mehr. Ich steig aus und kann kaum die Tür halten. Ein eisiger Sturm bläst den Berg herunter. Ich stampfe durch den Matsch und den Berg hinauf und stelle fest, dass es immer extremer wird. Immer tiefere Spuren, immer steiler und vor allem großen Steinbrocken im Dreck. Wir beschließen den Berg zu queren und weiter unten eine andere Piste zu suchen. Das Auto rutscht immer wieder seitlich ab, aber dank 4x4 kein Problem. Unten finden wir eine andere Piste, die etwas flacher und vor allem nicht so vermatscht ist. Die Piste führt auf den gleichen Pass. Mit 4x4 und viel Schmackes schieben wir uns hoch. Bei Schneetreiben und Sturm stehen wir auf einer Kuppe bei 2.850 m. Uns bläst es fast auf der anderen  Seite runter.
Ganz links ging es sehr steil um rutschigen Matsch nach oben. Dann die Querung nach recht (obere Spur).
Auf dem Foto kann man die große Steigung und den Matsch leider nicht erkennen.
 
Das ist bereits die bessere Abfahrt. Der Dreck am Auto läst die Sauerei erahnen. 
Die Abfahrt gestaltet sich etwas angenehmer und kurz vor Ölgii haben wir sogar Teer unter den Rädern.
Wir können es nicht glauben. Teer, kurz vor Ölgii.
 
Der Ort hat einen wirklich sehr wilden Charakter, aber die Menschen sind sehr freundlich. Die Kinder winken alle freundlich und Grüßen uns mit einem strahlenden Helle, oder Sambayno.
Der Hauptplatz in Ölgii. Es geht eher ruhig zu.
 
Diese Kneipe hat uns nicht wirklich reingelockt.
 
Wir gehen auf den Markt wo es wirklich alles gibt. Er ist im Freien, es ist staubig und die meisten Stände sind in alte Seecontainer untergebracht. Jeder muß Eintritt bezahlen, Umgerechnet ca. 3 Cent. Es ist eng, für uns übersichtlich, staubig und spannend. Unsere Suche nach einer kleinen Plastikschüssel macht uns schnell bekannt im Markt. Fotos dürfen wir jedoch nur ungern machen, da dies ihrer Ansicht nach unglück für das Geschäft bringt.
Der Taxistand am Marktplatz. Mit den UAZ Jeeps werden alle Punkte in der Mongolei angefahren.
 
Die neuersten Modelle. Welche Sonnenbrille nehm ich denn?

Schnee... sollen wir uns noch dicker einpacken?

 
 
Eines gibt es immer im Überfluß: Süßigkeiten und Kekse.
 
 
Die fröhlichen Stadtmusikanten.

Hier finden wir einfach das Blue Wolf Guesthouse. Dieses wird gerne von Globetrottern angefahren, da es einen sicheren Hinterhof, heiße Duschen und nette Inhaber hat.


Der Hof des Blue Wolf Guesthouses.


Hier steht auch schon ein großer österreichischer Unimog. Monika und Bert Kohl sind echte Mongoleiexperten. Sie verbringen fast jedes Jahr 3 Monate in der Westmongolei und bieten Abenteuer-Touren an. Bei sind super nett und lustig. Klar, Jonas hat gleich noch größere Augen bekommen und ist vom Unimog nicht mehr weg zu bekommen.
Unimog; der Traum eines jeden "Jungen".
Monika und Bert zeigen uns tolle Bilder auf dem Laptop und geben uns wertvolle Tipps für die Mongolei.
Im Guesthouse gibt es auch Jurten, auf mongolisch Gers, zu mieten.
An einem Nachmittag kommt ein ganz geschaffter Italiener mit einem Renault Kastenwagen in den Hof gerollt. Er sagt, dass er einen Tag östlich von Ölgii gefahren ist und im reicht es. Er gibt auf und möchte zurück nach Russland. Sein Auto ist nichts für diese Pisten. Er hat jedoch kein Visum für Russland und ist jetzt erst einmal gestrandet.
Monika und Bert erzählen uns auch, dass sie andere mit einem Pickup und einer Tischer Kabine getroffen haben. Die Kabine hat die Mongolei nicht überlebt. Sie mussten alle Habseligkeiten in Kisten packen und so nach Hause fahren.  
Das sind natürlich Geschichten, wo man etwas nervös werden kann, wir lassen uns aber nicht abschrecken. Wir haben‘s geschafft, wir sind in der Mongolei. Juchu.

Samstag, 22. September 2012

Ab nach Südsibirien / Altai

01.09.2012 verlassen Astana Richtung Russland
 
Auf der Karte haben wir uns den kürzesten Weg Richtung Russland gesucht.

Route Richtung Osten: Astana, Pavlodar, Sherbakty. Hier soll es einen kleinen Grenzübergang geben, der auch für Touristen passierbar ist. In Summe sind es 560 km.
Mit diesen kleinen LKWs teilen wir uns die Straße.
Kurz hinter Astana endet bereits die gute Teerstraße und verwandelt sich wieder in die gewohnte Buckelpiste. Wir nehmen uns vor die lange Strecke, wenn möglich, an einem Tag zu schaffen, damit wir mehr Zeit für die Mongolei haben. Schließlich sollen hier die Pisten sehr schwierig und zeitraubend sein.
Schnellimbiss bekommt bei Jonas eine ganz neue Bedeutung.

Tatsächlich kommen wir sehr gut voran. Wir tanken in Pavlodar und die Polizei möchte ein letztes mal unsere Autogramme in ihren Büchern vermerkt haben.
Die Grenzabwicklung geht sehr zügig und ohne Probleme von statten. Gerade die russischen Zöllner sind sehr korrekt und freundlich. Sie begrüßen uns sogar auf Deutsch. Wieder einmal war es die richtige Entscheidung einen kleinen Grenzübergang auszuwählen.
Inzwischen ist es Abend geworden. Gleich hinter der Grenze sind große Felder. Birkenhaine bilden die Begrenzung zwischen den Feldern. In einem kleinen Birkenwäldchen schlagen wir unser Nachtquartier auf.
Perfekter Abend. Mau Mau, Chips, Ü-Ei und Wodka.
Am nächsten Tag fahren wir in den ersten kleinen Ort, um einen Eindruck von der Lebensart zu bekommen. Am Bahnhof entdecken wir eine ausrangierte alte Dampflok. Natürlich möchte Jonas die große Lok genau inspizieren.
Die alte Dampflok in Kulanta hat es Jonas angetan.

Lenin wacht immer nocht über den Stadtplatz in Kulanta.
Nach 40 km schlechte Piste wird die Straße wieder besser. Die Landschaft hat sich deutlich verändert. Immer größere Felder die mit Birken abgegrenzt sind, großen Maschinen, kleine Wäldchen und  Menschen die am Straßenrand frische Pilze verkaufen. Natürlich halten wir und wollen Pilze kaufen, jedoch sehen sie nicht so lecker aus.
Kennt jemand diese Pilzart?
Die erste große Stadt heißt Barnaul. Wow, eine richtige Stadt mit viel Verkehr, zivilisierten Autofahrern und… Metro und anderen großen Supermärkten. Wir gehen in einen Supermarkt und sind richtig erschlagen von dem unglaublich großen Angebot. Allein die Kühltheken für die frischen Salate oder die Heißetheke mit leckeren Speisen scheint nicht zu enden. Wir sind im Schlaraffenland!  Natürlich kaufen wir ordentlich ein, eigentlich viel zu viel und gönnen uns ein richtig feines Mal.
Hmmm, war das ein leckeres Essen in einem kleinen Restaurant in Russland.
Jetzt sind wir auf der Hauptroute im Altai, die immer gen Osten in die Mongolei führt. Die Landschaft wird immer schöner. Die großen Felder werden von Hügeln und großen Mischwäldern abgelöst. Immer öfter fahren wir kleine Pässe hinauf und Flüsse fließen neben der Straße.
 
Wann kommt jetzt endlich der Bus?
Langsam können wir hohe Schneebedeckte Berge erkennen, die immer näher kommen und uns bis zur Mongolei begleiten werden. Das Altai scheint auch bei den Russen als Urlaubsziel beliebt zu sein. Immer wieder sehen wir Ferienanlagen direkt am Fluss. Schöne Blockhäuser dienen als Unterkunft. Es wird reiten und Rafting angeboten.
Im Altai werden die Häuser aus Holz gebaut und meist bunt bemalt.
Wir campen ganz ungestört an den Flüssen. Einmal kommt ein Nomade bei uns vorbei. Er schaut nach seinen Kühen und Pferden die selbstverständlich den ganzen Tag frei durch die Landschaft ziehen. Auch mit ihm kann ich mich etwas auf Türkisch unterhalten. Er legt Wert darauf, dass er kein Kasache ist sondern ein Altai.
Das Altai ist ein einziger Campingplatz.
 
Immer wieder werden Obst und Gemüse oder Birkenzweige für die Sauna verkauft.
Wir freuen uns wieder in den Bergen zu sein und sind schon ganz gespannt wie die Straße wohl weiter oben wird. Wir stellen uns das so ähnlich vor wie im Karakorum vor, wo das Tal immer schmaler wird, die Hohen Berge zum Greifen nah an die Straße rücken und wilde Gebirgsbäche sich ins Tal stürzen. Aber nein, so ist es überhaupt nicht.
Der Herbst hat auch das Altai erreicht.
Wir kommen immer höher jedoch öffnet sich das Tal wieder, die hohen Berge sind nur in der Ferne zu erkennen und eine Steppe zeigt sich. Die Dörfer sehen inzwischen ziemlich wild aus, aber die Menschen sind sehr freundlich und zurückhaltend.
 
Stellplatz in der Steppe kurz vor der Mongolischen Grenze.
 
 
 Am 5.9.12 erreichen wir Tashanta, den letzten Ort in Russland. Bereits hier, ca. 20 km westlich der geografischen Grenze werden die russischen Grenzformalitäten erledigt. Ohne Probleme dürfen wir ausreisen.
 

Die geografische Grenze liegt auf einem Pass, wo noch einmal ein Soldat an einem Schlagbaum unsere Dokumente prüft. Direkt unter dem Schlagbaum endet auch der Teer und … die Zivilisation, zumindest scheint es so. Der mongolische Zoll ist weitere 12 km östlich. Leider begleiten uns seit zwei Tagen schwarze Regenwolken die sich auch hier ausgiebig abregnen. Zwischen der russischen und mongolischen Grenzstation ist ein 26 km langes Niemandsland.
Die geografische Grenze zwischen Russland und Mongolei. Ab hier nur noch Piste. 
Das Russische Altai oder Südsibirien hat uns richtig gut gefallen. Das Reisen war total unbeschwert, hatten immer spitzen Stellplätze, die Straßen sind gut und die Versorgung mit Lebensmittel ausgezeichnet. Wir sind sehr froh, dass wir uns für diese Route entschieden haben. Mit ein bisschen mehr Zeit hätten wir noch gerne Ausflüge gemacht oder die großen Sibirischen Städte wie z .B. Novosibirsk besucht.